Die größte Falle beim PKV Wechsel
Privat versichert: Die größte Falle beim PKV-Wechsel lauert nicht beim Beitrag
Steigende Krankenkassenbeiträge, Milliardenlöcher bei den gesetzlichen Kassen und die Sorge vor weiteren Leistungskürzungen treiben derzeit viele Gutverdiener in Richtung private Krankenversicherung. Besonders Selbstständige, Freiberufler und Angestellte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze prüfen zunehmend einen Wechsel.
KV-Experte Torsten Schmidt warnt: Wer bei der PKV nur auf niedrigere Beiträge schaut, kann später ein böses Erwachen erleben. Denn die größte Gefahr liegt oft nicht beim Geld — sondern bei der Gesundheitsprüfung.
„Viele haben Angst, dass die GKV immer teurer wird“
Herr Schmidt, warum interessieren sich plötzlich so viele Menschen für die PKV?
Schmidt: Viele erleben gerade, wie die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung immer weiter steigen. Gleichzeitig wird ständig über neue Finanzprobleme der Kassen diskutiert. Das verunsichert.
Wir merken das direkt in der Beratung. Die Zahl der Anfragen hat sich in den vergangenen Wochen mehr als vervierfacht. Vor allem Gutverdiener, Selbstständige und Freiberufler wollen wissen, ob die PKV für sie langfristig sinnvoll sein kann.
„Wer nur sparen will, macht oft den größten Fehler“
Ist die PKV wegen der steigenden GKV-Beiträge derzeit attraktiver geworden?
Schmidt: Die PKV ist keine kurzfristige Sparmaßnahme. Wer nur wegen 150 oder 400 Euro Ersparnis im Monat wechselt, denkt zu kurzfristig.
Auch die PKV wird teuer. Viele verdrängen das. Im Ruhestand zahlen Privatversicherte ihre Beiträge oft weitgehend selbst. Nicht wenige landen dann bei 1.000 Euro monatlich oder mehr.
Ein Wechsel sollte deshalb nie nur eine Rechenfrage sein. Er muss zur gesamten Lebensplanung passen — finanziell, familiär und gesundheitlich.
„Vergleichsportale sind bei der PKV brandgefährlich“
Viele informieren sich zuerst über Vergleichsportale. Ist das problematisch?
Schmidt: Extrem sogar. Die PKV gehört zu den kompliziertesten Versicherungsprodukten überhaupt. Trotzdem schließen manche ihre Police inzwischen in 20 Minuten online ab.
Das Problem: Vergleichsportale reduzieren die Entscheidung häufig auf Beitrag und ein paar Leistungsmerkmale. Die wirklich entscheidenden Punkte bleiben außen vor — etwa Regelungen zu Psychotherapie, Beitragsentwicklung, Selbstbehalten oder Leistungen im Alter.
Die Folgen zeigen sich oft erst Jahre später.
„Die größte Falle ist die Gesundheitsprüfung“
Wo passieren die schwerwiegendsten Fehler?
Schmidt: Bei den Gesundheitsangaben. Das ist mit Abstand das größte Risiko beim PKV-Wechsel.
Viele erinnern sich nicht mehr an frühere Diagnosen, vergessen Arztbesuche oder machen Angaben zu oberflächlich. Manche verschweigen auch bewusst Behandlungen, um bessere Konditionen zu bekommen.
Doch genau das kann später wirklich existenziell werden.
Stellt die Versicherung falsche oder unvollständige Angaben fest, kann sie vom Vertrag zurücktreten. Im schlimmsten Fall verlieren Betroffene ihren Versicherungsschutz genau dann, wenn sie ihn dringend brauchen.
Wir erleben regelmäßig Fälle von Menschen, deren Vertrag Jahre nach Abschluss überprüft wurde. Häufig geht es dabei um frühere psychotherapeutische Behandlungen, alte Diagnosen oder vergessene Arztbesuche. Da sträuben uns manchmal die Haare, was alles nicht angegeben wurde.
Fast immer wurden die Policen ohne intensive Beratung abgeschlossen.
Deshalb empfehlen wir Interessenten, zunächst ihre vollständige Patientenakte bei Krankenkassen und Ärzten anzufordern und die eigene Gesundheitshistorie sorgfältig aufzuarbeiten. Das dauert zwar einige Wochen, ist aber oft der einzige Weg zu einer wirklich sauberen Antragstellung.
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Verbraucherschützer warnen vor vorschnellen Wechseln
Verbraucherschützer raten ebenfalls dazu, einen Wechsel in die PKV nicht allein wegen kurzfristiger Beitragsvorteile vorzunehmen. Gerade im Alter könnten die Kosten deutlich steigen. Zudem sei eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung später häufig schwierig oder sogar ausgeschlossen.
„Die Zeit arbeitet in der PKV gegen den Kunden“
Was sollten Interessenten deshalb beachten?
Schmidt: Wer sich grundsätzlich für die PKV interessiert, sollte sich möglichst früh mit dem Thema beschäftigen. Denn mit jedem Arztbesuch und jeder neuen Diagnose wird ein Wechsel schwieriger.
Mit Anfang 30 kommen viele noch problemlos in sehr gute PKV-Tarife. Mit Ende 40 sieht das oft völlig anders aus.
Deshalb kann es sinnvoll sein, sich früh Optionen zu sichern — etwa über einen Optionstarif. Der sollte dann gleich auch für die Kinder mit abgeschlossen werden. Viele beschäftigen sich erst mit der PKV, wenn sie finanziell attraktiv erscheint. Dann ist es gesundheitlich oft schon zu spät.
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